
Gegründet im Jahr 1874 begann Louis Poulsen ursprünglich als Weinimportgeschäft in Kopenhagen. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlagerte das Unternehmen seinen Schwerpunkt auf Beleuchtung – zu einer Zeit, in der Elektrizität die Art und Weise, wie Menschen lebten und arbeiteten, grundlegend veränderte.
Dieser Wandel sollte sich als richtungsweisend erweisen. In den 1920er-Jahren begann Louis Poulsen eine Zusammenarbeit, die nicht nur die Marke prägen, sondern auch unser Verständnis von Licht nachhaltig verändern sollte.
Wenn es einen Namen gibt, der untrennbar mit Louis Poulsen verbunden ist, dann ist es Poul Henningsen.
Als Architekt, Designer und Kulturkritiker verfolgte Henningsen einen radikal neuen Ansatz: Beleuchtung sollte einen Raum nicht nur erhellen, sondern ihn definieren.
Zu jener Zeit war elektrisches Licht oft grell und unangenehm. Henningsen machte es sich zur Aufgabe, dies zu verändern.
Seine Lösung war ein wissenschaftlicher, am Menschen orientierter Umgang mit Licht. Durch sorgfältig aufeinander abgestimmte Schirme entwickelte er Leuchten, die das Licht weich und gleichmäßig streuen, Blendung reduzieren und zugleich die Atmosphäre eines Raumes unterstreichen. Aus diesem Ansatz entstand in den 1920er-Jahren das heute ikonische PH-Beleuchtungssystem.
Henningsens Idee des inzwischen weltberühmten Dreischirmsystems wurde zu einem außerordentlichen Erfolg. Bis 1931 wurden weltweit rund 30.000 PH-Leuchten verkauft. Auch heute werden PH-Leuchten in großem Umfang produziert und sind in zahlreichen Modellen und Ausführungen erhältlich – ein echter Klassiker, der den Beginn der Erfolgsgeschichte von Louis Poulsen markiert und bis heute als Inbegriff zeitloser skandinavischer Ästhetik und außergewöhnlicher Funktion gilt.
Unter den zahlreichen Entwürfen von Poul Henningsen stechen zwei Leuchten als wahre Designikonen hervor: die PH 5 und die PH Artichoke, die beide 1958 vorgestellt wurden.
Die Pendelleuchte PH 5 entstand als Antwort auf eine praktische Herausforderung: die ständige Weiterentwicklung von Glühbirnen. Henningsen entwarf eine Leuchte, die unabhängig von der Art des Leuchtmittels eingesetzt werden konnte und zugleich ein weiches, blendfreies Licht spendet. Die übereinanderliegenden Schirme lenken das Licht nach unten und beleuchten gleichzeitig die Leuchte selbst, wodurch ein warmes und ausgewogenes Lichtbild entsteht. Bis heute zählt die PH 5 zu den bekanntesten und meistverwendeten Pendelleuchten in skandinavischen Interieurs.
Im Kontrast dazu steht die PH Artichoke, die ebenso skulptural wie funktional ist. Ursprünglich für den Langelinie Pavillon in Kopenhagen entworfen, besteht ihre markante Form aus 72 präzise angeordneten Metallblättern. Diese sorgfältig geschichteten „Blätter“ sorgen dafür, dass das Licht aus jedem Winkel gleichmäßig verteilt wird. Das Ergebnis ist ebenso eindrucksvoll wie atmosphärisch – ein Statement-Piece, das jedem Raum eine besondere Wirkung verleiht.
Gemeinsam verkörpern diese Entwürfe die Essenz von Henningsens Philosophie: Licht, das nicht nur ästhetisch überzeugt, sondern bewusst gestaltet wurde, um ein besonderes Lichterlebnis zu schaffen.


Die PH Artichoke, auch bekannt als Cone, ist eine der ikonischsten Leuchten von Poul Henningsen, die 1958 entworfen wurde.
Neben Poul Henningsen hat Louis Poulsen mit zahlreichen renommierten Designern zusammengearbeitet, die einige der bekanntesten Klassiker der Marke geschaffen haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Zusammenarbeit mit unabhängigen Gestaltern und im Laufe der Jahre trugen bekannte Namen wie Arne Jacobsen und Verner Panton dazu bei, einige der bedeutendsten Designikonen von Louis Poulsen zu entwerfen.

Arne Jacobsen, Designer der AJ-Kollektion

Verner Panton, Designer der Panthella-Kollektion
Der Architekt und Designer Arne Jacobsen ist bis heute für seinen ausgeprägten Gestaltungswillen und seine unverwechselbar minimalistische Formensprache bekannt, die ihm sowohl in Dänemark als auch international zahlreiche renommierte Auszeichnungen einbrachte.
In Zusammenarbeit mit Louis Poulsen entwarf Jacobsen die ikonische AJ-Leuchtenserie für das SAS Royal Hotel in Kopenhagen, für dessen Möblierung und Innenraumgestaltung er ebenfalls verantwortlich war. Nach der Fertigstellung des Hotels wurden die Leuchten auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Heute umfasst die AJ-Serie Tisch-, Steh- und Wandleuchten, die alle sofort an ihrer eleganten Silhouette zu erkennen sind.
Die AJ-Leuchten wurden so gestaltet, dass sie ein angenehmes, nach unten gerichtetes Licht spenden. Der weiß lackierte Innenschirm sorgt für eine weiche Lichtwirkung, während sich der Schirm neigen lässt, um das Licht gezielt auszurichten. Dadurch ist die AJ-Serie besonders beliebt zum Lesen, für Arbeitsbereiche und zur stimmungsvollen Beleuchtung im Wohnraum.
Die Zusammenarbeit mit Verner Panton begann 1959 und markierte ein neues Kapitel für Louis Poulsen. Bekannt für sein intuitives Verständnis von Licht, Raum, Farbe und Materialien brachte Panton einen experimentelleren und spielerischen Ansatz in das Lichtdesign ein.
Einer seiner ersten Entwürfe für die Marke war die Pendelleuchte Topan – eine klare, geometrische Form, die schnell zum modernen Klassiker wurde. Besonders prägend wurde jedoch die spätere Panthella-Serie aus dem Jahr 1971. Mit ihrer weich gerundeten Silhouette sind sowohl Schirm als auch Fuß so gestaltet, dass sie das Licht reflektieren und ein sanftes, atmosphärisches Lichtbild erzeugen, das ebenso einladend wie charakteristisch wirkt.
Panton scheute sich nie davor, Konventionen infrage zu stellen. Im Gegenteil: Seine Experimentierfreude erweiterte die Grenzen des Designs und förderte einen persönlicheren, ausdrucksstärkeren Umgang mit Einrichtung.
Weniger bekannt ist hingegen seine Verbindung zu Poul Henningsen. Als Mentor und frühe Inspirationsquelle brachte Henningsen Panton mit Louis Poulsen zusammen und weckte sein Interesse für das Zusammenspiel von Licht und Design – eine Grundlage für einige der ikonischsten Entwürfe der Marke.
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Über die Jahrzehnte hinweg hat Louis Poulsen mit einigen der einflussreichsten Designer des skandinavischen Designs zusammengearbeitet.
Von den skulpturalen PH-Leuchten über die architektonische Klarheit der AJ-Serie von Arne Jacobsen bis hin zur spielerischen Form der Panthella von Verner Panton folgt jedes Design demselben Grundprinzip: Das Licht steht immer im Mittelpunkt.
Viele dieser Entwürfe werden bis heute produziert und prägen weiterhin das Licht in Wohnräumen, Hotels und öffentlichen Bereichen auf der ganzen Welt.
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Photos: Elof Martinsson, Louis Poulsen
